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Wortgeschichte zu

Filz

Filzokratie · verfilzen · Verfilzung

Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Das Substantiv Filz ist bereits althochdeutsch in der Bedeutung aus Tierhaaren gewalkter und gepresster dichter Wollstoff bezeugt und wird seitdem auch metonymisch für aus Filz hergestellte Kleidungsstücke gebraucht. Ausgehend von der derben Beschaffenheit des Filzes entstehen im 15. Jahrhundert übertragene Bedeutungen; so wird Filz z. B. als abwertende Personenbezeichnung gebraucht. Ferner wird das Wort in der Bedeutung filzähnlich Verwobenes für dem Filzmaterial äußerlich ähnliche Dinge (Belag auf Steinen, Pflanzen) verwendet. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts finden sich sowohl Filz als auch die Wortbildung Filzokratie in abwertender Verwendung für schwer zu durchdringende politische und finanzielle Machenschaften. Auch die Ableitungen verfilzen und Verfilzung, die sich zunächst in konkreter Bedeutung auf verwirrte Haare u. ä. beziehen, werden seit dem 19. Jahrhundert auf undurchschaubare Beziehungsgeflechte und Strukturen übertragen.

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Wortgeschichte

Alt und vielfältig

Mit dem Substantiv Filz bezeichnet man ein durch traditionelle handwerkliche Methoden hergestelltes dichtes, grobes Material aus Schafwolle oder anderen Tierhaaren, das sich durch besondere Vielseitigkeit, Robustheit und Isolierfähigkeit auszeichnet. Filz ist bereits in den älteren Sprachstufen des Deutschen und seitdem kontinuierlich bis heute bezeugt. Es begegnet um das Jahr 800 als Glosseneintrag in einem der ältesten deutschsprachigen Sprachdenkmäler, der lateinisch-deutschen Benediktinerregel (vgl. EWA 3, 234). Schon im Althochdeutschen meint Filz nicht nur das Material, sondern wird auch metonymisch für aus Filz hergestellte Dinge, besonders Kleidungsstücke, verwendet (vgl. AWB 3, 848; RGA 9, 44; seit dem 16. Jahrhundert als Bezeichnung für einen aus Filzstoff hergestellten Hut 1576, 1977).

Filz als Schimpf- und Tadelwort

Seit dem 15. Jahrhundert findet sich der Ausdruck Filz – zunächst in spätmittelalterlichen Fastnachtsspielen – als abwertende Personenbezeichnung (15. Jh.a). Die grobe und derbe Beschaffenheit des Filzes dient hier offenbar als Grundlage für die Übertragung des Wortes auf Menschen, deren Auftreten oder Verhalten man als unfein und ungehobelt empfindet. Mit Filz ist der bäurische, grobe, tölpelhafte Mensch gemeint, vergleichbar mit der Bedeutung des Wortes Grobian. Das Wort liegt mehrfach in der Verbindung grober Filz vor, wie beispielsweise in der von Martin Luther verfassten Schmähschrift Wider Hans Worst, in der dieser Herzog Heinrich von Braunschweig-Wolfenbüttel unverblümt als grobe[n] Filz, Rulz und Tölpel bezeichnet (1541; jünger: 1803, 1899).

Einen weiteren semantischen Aspekt erhält das Wort ebenfalls im 15. Jahrhundert durch die Übertragung auf Menschen, die als übertrieben sparsam wahrgenommen werden. Häufig in der Verbindung karger Filz bezeugt, hat der Ausdruck hier die pejorative Bedeutung geiziger Mensch, vergleichbar mit der Bedeutung des Wortes Geizhals (15. Jh.b, 1681, 1790).

Mit der Bildung vilzgebûre liegt bereits um 1300 ein mittelhochdeutsches Kompositum vor, das mit der Bedeutungsangabe grober Bauer und Bauer, der Filz trägt in den mittelhochdeutschen Wörterbüchern verzeichnet ist (vgl. Lexer 3, 352, BMZ 1, 291a und als Scheltwort gilt. Anscheinend hängt die metonymische Übertragung von Filz auf Personen mit der robusten Filz-/Lodenkleidung, die die bezeichneten Menschen tragen, zusammen (vgl. 1DWB 12,1, 331: weil bauern sich mit grobem, rauhen filze bekleiden, geht filz über in die vorstellung eines bäurischen, ungeschliffenen kerls und wird zur schelte; s. dort auch Filzbauer, Filzgebauer).

Ebenfalls durch das Merkmal derb, grob motiviert wird der Ausdruck Filz seit dem 16. bis ins 19. Jahrhundert in der Bedeutung derber Verweis, grober Tadel meist in der Verbindung jemandem einen (derben) Filz geben verwendet (1539, 1721, 1829).

Verwoben, verschlungen und undurchschaubar

Der Ausdruck Filz wird neuhochdeutsch in der Bedeutung filzähnlich Verwobenes, Verschlungenes verwendet, zum Beispiel wenn von Belag auf Pflanzenteilen und Steinen (1789, 1821, 1845, 2018) oder von verworrenen Haaren die Rede ist (1847, 2002).

Erst seit den 1970er Jahren wird das Wort Filz in der Presse in einer weiteren abwertenden Bedeutung in Bezug auf undurchschaubare Beziehungsgeflechte in Politik und Wirtschaft gebraucht (1974, 1978a; Parteifilz: 1978b). Im Hinblick auf die früher vorliegenden übertragenen Gebräuche der Wortbildungen Verfilzung und Filzokratie (s. u.) ist es überraschend, dass Filz in der Lesart Geflecht aus (politischen, wirtschaftlichen) Beziehungen um einiges später bezeugt ist. Eine Gebrauchszunahme ist in den frühen 1990er Jahren im Zusammenhang mit der Kritik am DDR-System feststellbar (1991; vgl. auch SeilschaftWGd). Das Wort wird beispielsweise in den Verbindungen Filz bilden, sich gegenseitig Filz vorwerfen, mit dem Filz aufräumen, Kampf gegen Korruption und Filz verwendet (1988, 2004, 2016, 2017, 2021a).

Während bei den älteren Übertragungen auf Personen das Merkmal des Groben und Derben im Zentrum der Bedeutung steht, ist bei dieser neueren pejorativen Übertragung eine andere spezifische Eigenschaft des Filzmaterials als Motivationsgrundlage auszumachen: die fest miteinander verbundene Struktur der Fasern zu einem dichten, nicht entwirrbaren Gebilde. Das filzartig Verwobene bezieht sich nunmehr also nicht nur auf die äußere Beschaffenheit von etwas, sondern vielmehr auf die ineinander verflochtenen und undurchschaubaren Verbindungen von Personen, hauptsächlich im Bereich der Politik.

Ein vergleichbarer Bedeutungswandel findet sich auch beim Wort KlüngelWGd, das ursprünglich in der Lesart Knäuel verwendet wird und das später – ebenfalls vom Bild des Verworrenen und Unentwirrbaren ausgehend – auf undurchschaubare Beziehungsgeflechte von Personengruppen übertragen wird. Wie bei Filz tritt auch hier mit der Übertragung eine Bedeutungsverschlechterung ein. Während man die Ausgangsbedeutung von Klüngel heute allgemein nicht mehr kennt und das Wort standardsprachlich nur noch übertragen verwendet wird, ist Filz auch in der Gegenwartssprache sowohl in der ursprünglichen, konkreten als auch in der jüngeren, übertragenen Bedeutung gebräuchlich. Die Mehrdeutigkeit des Ausdrucks Filz wird mitunter in Wahlwerbungen oder auf Titelseiten von Printmedien bewusst eingesetzt (vgl. 1998, 2021b).

Verfilzen und Verfilzung

Die bereits mittelhochdeutsch vorliegende Wortbildung verfilzen wird zuerst auf wirre Haare bezogen (vgl. BMZ 3, 317a, 1DWB 12,1, 331). Im beginnenden 19. Jahrhundert wird verfilzen zudem bildhaft im Sinne von eine kaum lösbare Verbindung eingehen verwendet (1804; gegenwärtig: 2012). Auch die Substantivbildung Verfilzung – in der Ursprungsbedeutung Verschlingung, Verwirrung (zu einem Filz) (vgl. 1DWB 12,1, 331) –ist im 19. Jahrhundert in der übertragenen Bedeutung unauflösbare Verflechtung (von etwas) bezeugt (1888). Mit dem Ausdruck Verfilzung werden in den 1920er Jahren diffamierende Stereotype in antisemitischen Hetzschriften transportiert (1923). In der NS-Zeit wird das Wort z. B. in der Verbindung internationale Verfilzung abwertend mit Bezug auf Juden verwendet (1939).

Filzokratie – die Herrschaft des Filzes

Nicht nur die Bildung Verfilzung ist zeitlich vor dem Wort Filz in übertragener Bedeutung bezeugt, auch die ungewöhnlich anmutende Wortbildung Filzokratie begegnet bereits in den 1950er Jahren in deutschsprachigen Texten. Bei Filzokratie handelt es sich um eine Wortschöpfung, die vermutlich auf den Journalisten und Begründer des Berliner Tagesspiegels Erik Reger zurückzuführen ist. Dass das Wort von Reger mit Bezug auf verfilzte Verbindungen von Politik und Wirtschaft im Berlin der 1950er Jahre geprägt wurde, wird des Öfteren thematisiert (1958, 1969).

Die Besonderheit der Bildung liegt bei Filzokratie in der Kombination aus einheimischer Basis und dem Lehnelement -(o)kratie. Gebildet ist das Wort in Anlehnung an auf das Griechische zurückgehende Bildungen wie Demokratie oder Aristokratie. Der Bestandteil -kratie kennzeichnet eine bestimmte Herrschafts- bzw. Gesellschaftsform, mit der Neubildung Filzokratie ist also eine Herrschaft des Filzes gemeint: Die Bildung Filzokratie wird ebenso wie die etwa zeitgleich bezeugte Personenbezeichnung Filzokrat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebraucht, wenn spöttisch-abwertend über den auf VetternwirtschaftWGd beruhenden übermäßigen Einfluss bestimmter Gruppierungen in der Politik und innerhalb von Parteien gesprochen wird. Im Unterschied zu vergleichbaren (Gelegenheits-)Bildungen wie Bankokratie, Bonzokratie oder Fernsehkratie hat sich der Ausdruck Filzokratie, der im Jahr 1980 in den Rechtschreib-Duden aufgenommen wurde (vgl. 1980), in der deutschen Sprache etabliert und ist auch gegenwärtig geläufig (1995, 2001).

Kerstin Meyer-Hinrichs

Literatur

AWB Althochdeutsches Wörterbuch. Auf Grund der von Elias von Steinmeyer hinterlassenen Sammlungen. Im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig bearb. von Elisabeth Karg-Gasterstädt und Theodor Frings. Bd. 1 ff. Berlin 1968 ff. (saw-leipzig.de)

BMZ Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Mit Benutzung des Nachlasses von Georg Friedrich Benecke ausgearb. von Wilhelm Müller und Friedrich Zarncke. Bd. 1–3. Leipzig 1854–1866. (woerterbuchnetz.de)

1DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Bd. 1–16. Leipzig 1854–1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. (woerterbuchnetz.de)

2DWB Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Neubearbeitung. Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (vormals Deutsche Akademie der Wissenschaften) und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Bd. 1–9. Stuttgart 1983–2018. (woerterbuchnetz.de)

EWA Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Bd. 1 ff. Göttingen u. a. 1988 ff. (saw-leipzig.de)

HdA Handbuch des Antisemitismus: Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Im Auftrag des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin hg. von Wolfgang Benz. 8 Bände. München u. a. 2008–2015.

Lexer Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Zugleich als Supplement und alphabethischer Index zum Mittelhochdeutschen Wörterbuch von Benecke-Müller-Zarncke. Bd. 1–3. Leipzig 1872–1878. (woerterbuchnetz.de)

Meineke 1995 Meineke, Eckhard/Johanna Banck: Filz. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bearbeitet von Rosemarie Müller. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich und Heiko Steuer. Begründet von Johannes Hoops. 2. vollst. neubearb. und stark erw. Aufl. Band 9. Berlin/New York 1995, S. 44–46.

RGA Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bearbeitet von Rosemarie Müller. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich und Heiko Steuer. Begründet von Johannes Hoops. 2. vollst. neubearb. und stark erw. Aufl. 35 Bände und 2 Register-Bände Berlin/New York 1973–2008.

Belegauswahl

Ir gebt mirs hie auf disem plan,Ir dörper und ir vilz!

Fastnachtsspiele aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Erster Theil. Bibliothek des Litterarischen Vereins 28. Stuttgart 1853, S. 428. (books.google.de)

Das ir seit der aller größt wuchrerUnd der aller kergst vilz genant,
als er iendert ist in disem lant.

Fastnachtsspiele aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Zweiter Theil. Bibliothek des Litterarischen Vereins 29. Stuttgart 1853, S. 650. (books.google.de)

Denn es war dieselben Tage ein solcher Mangel, daß man weder Semmel noch Brot konnte ums Geld bekommen; gab also heimlich und uberquer dem Rath ein Filz um der Nachlässigkeit willen.

Luther, Martin: Tischreden. In: Ders.: Werke. Band 4. Weimar 1916, S. 330. (archive.org)

Und der grobe Filz, Rulz und Tölpel, der Esel aller Esel zu Wolffenbüttel, schreiet daher sein Eselgeschrei, urtheilt und ketzert, so er doch nimmermehr lernen kann, wenn er huntert Jahr studiert, und seine Meister im ganzen Papstthumb höret, was Kirche sei oder Ketzer, was ein Christ oder Abtrünniger sei, der Verstand ist ihnen zu hoch.

Luther, Martin: Sämmtliche Werke. Band 24. Zweite Abtheilung. Frankfurt am Main 1883, S. 49. (books.google.de)

nun ist das meisterwerk zu machen drei hüte, nemblich ein krausser geschlagener hut, ein gut fein vilz und ein kurzer gestickter hut.

²DWB 9, 488 (qu. rechtsgesch. rhein. städte, berg. 3,191). (woerterbuchnetz.de)

[…]JN unſern vorhabenden Worten redet Syrach von einem Reichen/ der Geld und Gut/ Gold und Silber/ Aecker/ Wieſen/ Hauß und Hof/ ehrliche Handthierung/ Gewerb/ Handwerck/ Nahrung und gut Einkommen hat/ redet aber nicht von einem jeden Reichen/ ſondern von dem/ der darbey ein Lauſer/ Knicker und karger Filtz iſt/ dem/ ſagt er/ ſtehe es nicht wol an/ und ſey ihm nichts nutz/ daß er reich ſeye/ fraget auch darauf: Was ſoll Geld und Gut einem kargen Hund?

Bauller, Johann Jacob: Hell-Polirter Laster-Spiegel/ Underschiedlich in sich haltend alle und jede Fugienda, Was ein Christ Böses fliehen soll. Ulm 1681, S. 382. (deutschestextarchiv.de)

Dieſes thut er nicht ſo wohl deßwegen/ weil er in ſeinem Gehirne andere Meinungen hat/ als vielmehr weil ich in teutſcher Sprache geſchrieben. Dieſerwegen wird mir mancher/ wo nicht oͤffentlich/ doch heimlich/ einen derben Filtz geben. Aber warum biſt du der teutſchen Sprache gehaͤßig?

Pertsch, Johann Georg: Das Recht Der Beicht-Stühle. Darinnen Der Ursprung und Fortgang der geheimen Beichte Aus denen Kirchen-Geschichten unpartheyisch gezeiget/ und was dabey absonderlich unter denen Protestirenden gebräuchlich ist und seyn solte, gründlich untersucht wird. Halle 1721, Vorr. 3v. (deutschestextarchiv.de)

Zwey Jahre lang im Garten gezogen verliert die Pflanze ihren weissen Filz, wird bloß haarig, und grün.

Schrank, Franz von Paula: Baiersche Flora. 2. Band. München 1789, S. 372. (books.google.de)

Der schlimmste Geiz ist der, mit dem sich Kargheit paart. Der Filz hat keine Scham, und lebt nach Pöbels Art. Ihn sättigt schimmlicht Brod bey vollen Speiseschränken: Sein Keller liegt voll Wein; doch Kofent muß ihn tränken.

Lichtwer, Magnus Gottfried: Das Recht der Vernunft, in fünf Büchern. Wien 1790, S. 99. (books.google.de)

So sind sie alle, die Männer. Filze sind es. Bären sind es. Und dann wollen sie doch, daß wir sie lieben sollen.

Engel, Johann Jacob: Der Diamant. In: Ders.: Schriften. 6. Band. Berlin 1803, S. 257. (books.google.de)

Den Adelſtand ferner verknuͤpft die Gleichheit der Vorrechte durch ganz Europa. Er beſteht aus einer ſchoͤnen Familie von Familien; wie Juden, Katholiken, Freimaͤurer und Profeſſioniſten halten ſie zuſammen; die Wurzeln ihrer Stammbaͤume verfilzen ſich durch einander und das Geflechte laͤuft bald hier unter dem Feudal-Acker fort, bald dort heraus am Thron hinan.

Jean Paul: Flegeljahre. Eine Biographie. Zweites Bändgen. Tübingen 1804, S. 187. (deutschestextarchiv.de)

Andre […] glaubten das Ding noch kluͤger anzugreifen, wenn ſie dieſe Kartoffeln beiſammen auf Einen Haufen ſchuͤtteten und mit etwas Erde bedeckten. Da wuchſen ſie nun zu einem dichten Filz in einander.

Joachim Nettelbeck, Bürger zu Colberg. Eine Lebensbeschreibung, von ihm selbst aufgezeichnet. Erstes Bändchen. Hrsg. von Johann Christian Ludwig Haken. Leipzig 1821, S. 8. (deutschestextarchiv.de)

Was den Befehl betrifft, so ist Er zufrieden, daß Dieselben mit Ihrer gewöhnlichen Befehlshaberei denen guten Müttern einen tüchtigen Filz geben, die es Denenselben nicht nach Ihrem Sinne machen.

Goethe, Johann Wolfgang von: Italiänische Reise III. In: Goethes Werke. 32. Band. Weimar 1906, S. 207. (archive.org)

Der Grund war mit dem grüngrauen Filze bedeckt, den ich oft auf Steinen angetroffen hatte, nur war er hier noch viel schaler und schwächer als irgend wo.

Stifter, Adalbert: Zwei Schwestern. In: Ders.: Studien. Zweiter Band. Pest 1864, S. 387. (google.de)

Hierbei schieben sich die einzelnen Haare solchermaßen in einander, daß sie nie wieder zu entwirren sind, und solche Haarmassen nennt man Filz.

Sackreuter, Carl Ludwig: Dr. J. F. Schlez’s Denkfreund. Ein Lehr= und Lesebuch für Evangelische Schulen. Giessen 1847, S. 215. (gei.de)

Es ist schon 1845 ausgesprochen worden, daß diese Verwirrung und Verfilzung der Parteien Deutschland in den Abgrund treiben kann. Diesen Bann zu brechen, halte ich für eine der größten politischen Aufgaben, die ein Volk nur haben kann.

Allgemeine Zeitung, 11. 2. 1888, Nr. 42, S. 611. (digitale-sammlungen.de)

„Hören Sie, erst haben Sie mir mein Bier umgeschüttet, dann haben Sie mir mit der Cigarre ein Loch in den Aermel gebrannt und jetzt nennen Sie mich einen groben Filz; wenn Sie jetzt noch ein Wort sagen – dann setz‚ ich mich an ‘nen andern Tisch!“

Hagen, Bernhard: Unter den Papua’s: Beobachtungen und Studien über Land und Leute, Thier- und Pflanzenwelt in Kaiser-Wilhelmsland. Wiesbaden, 1899, S. 248. [DTA]

Diese Mittel gibt dem Judentum seine internationale Verfilzung, und vor allem seine herrschende Stellung in den uns schon an und für sich feindlich gesinnten Ländern an die Hand.

Kernholt, Otto: Deutschlands Schuld und Sühne. Geschichtliche Betrachtungen zur Entstehung und Lösung der Judenfrage. Leipzig 1923, S. 300.

Die Kriegsziele, über deren Art sich die ehrenwerten Londoner Minister nur sehr verschwommen auslassen, […]während sie deren Klarlegung ihren Augur=Poljakofs überlassen, decken sich auffällig mit den Absichten der in Frankreich herrschenden freimaurerisch=jüdischen Clique, was in Anbetracht der internationalen Verfilzung des Volkes Israel und seiner englischen Protektoren nicht verwunderlich ist.

Jeversches Wochenblatt 149, 7. 12. 1939, Nr. 287, S. 1. (deutsche-digitale-bibliothek.de)

Der Lebensweg dieses Wilhelm John kann bis in die letzten Tage hinein als ein Musterbeispiel für die Auswirkungen dessen gelten, was der Westberliner »Tagesspiegel« als »Filzokratie« bezeichnet: der schier unentwirrbaren Verquickung von Geschäft und Politik in der ehemaligen Reichshauptstadt. […]Rund die Hälfte aller Mitglieder des Berliner Parlaments sind beruflich in öffentlichen oder halböffentlichen Unternehmen, insbesondere Baugesellschaften tätig.

Der Spiegel (online), 4. 11. 1958. (spiegel.de)

Ein in sich selbst so eng abgeschlossener Stadtstaat ist ohnehin ein eigen Ding – und nirgendwo in deutschen Landen kommt so muffig auf den Tisch, was Parlamente und Unterparlamente ausgekocht haben. Vor langer Zeit schon hat Erik Reger das böse Wahrwort von der „Filzokratie“ geprägt.

Die Zeit, 21. 3. 1969, Nr. 12. [DWDS] (zeit.de)

Dies und der tatsächlich vorhandene Filz, den eine seit 28 Jahren währende SPD-Dauerherrschaft produzierte, gereichen den Regierungsparteien nicht gerade zum Vorteil.

Die Zeit (online), 27. 9. 1974. (zeit.de)

Dem Mäxchen hing ein zu großer, um jede Fasson gebrachter Filz um die Ohren, der im Fahrtwind gehalten werden mußte.

Grass, Günter: Der Butt. Werkausgabe Bd. 8. Göttingen 1997, S. 581.

Amtsleiterpositionen sind nicht übel dotiert und verleihen dem Inhaber einen gewissen Einfluß. Der erste Punkt macht sie für den einzelnen begehrenswert, der zweite läßt es der jeweils regierenden Partei ratsam erscheinen, solche Posten mit Leuten ihres Vertrauens, was in der Regel Parteimitgliedschaft voraussetzt, zu besetzen. Daraus entwickelt sich im Verlauf von Jahrzehnten der spätestens im Zeichen der Kommunalwahl hinlänglich bekannt gewordene „Filz“.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 4. 1978, S. 42.

Der Staatsrundfunk mit seinen Privilegien, seinem Parteifilz, seiner wuchernden Bürokratie, seiner Indoktrinationswut und seiner fortschreitenden Einfallslosigkeit ist zu einem öffentlichen Ärgernis geworden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. 9. 1978, S. 1.

Neue Wörter im neuen „Duden“ […] Nachdenklich macht die Liste der nun neu aufgenommenen Wörter, denn sie dokumentiert auch ein Stück Geschichte: Asylant, Bildschirmzeitung, Bürgernähe, Datenschutz, Ehehygiene, Eurokommunismus, Filzokratie, freipressen, Frust […].

Der Spiegel (online), 13. 1. 1980. (spiegel.de)

[…]Weil hier aber Fehler und Mängel besonders verheerende Folgen haben, müssen sie mit mehr Mißtrauen als andere betrachtet werden. Umweltminister Klaus Töpfer hat jetzt einen ersten Anlauf gemacht, mit dem Filz aufzuräumen.

Die Zeit, 16. 12. 1988, Nr. 51. [DWDS] (zeit.de)

Eine der neueren Publikationen wendet sich den feinen Vernetzungen der Stasi mit der Gesellschaft zu und versucht, den bis heute teilweise undurchschaubaren Filz der Machtstrukturen im einstigen Lande DDR durchschaubar zu machen.

Berliner Zeitung, 10. 1. 1991. [DWDS]

Auch die verschiedenen Ebenen der Filzokratie stellt Päule Pohlmann erstmals näher vor, von der untersten („Vorsitz in Sportvereinen“) bis zur obersten („Besoldungen bis hoch in den B-Bereich“). Danach ist Karl Bockelmann, Dortmunds Dezernent für Wirtschaftsförderung, eindeutig ein Filzokrat der obersten Ebene – aber offensichtlich kein besonders virtuoser.

Die Zeit, 15. 12. 1995, Nr. 51. [DWDS] (zeit.de)

Sein Engagement für die Grünen trug dagegen den Slogan „Mit Joseph Beuys gegen den Filz!“

Der Tagesspiegel, 17. 6. 1998. [DWDS]

Was der gnadenlose Rechtspopulist Schill für Hamburg bringt und vielleicht auch für die Bundesrepublik, wissen seine Wähler nicht, aber sie wissen, was sie nicht wollten: die Fortsetzung der Filzokratie in der Hansestadt.

Berliner Zeitung, 29. 9. 2001. [DWDS]

Sie war ohnehin ein bisschen exzentrisch, trug immer buntere Kleider und färbte sich ihre Haare, bis sie nur noch Filz waren.

Der Tagesspiegel, 2. 2. 2002. [DWDS]

Wie in Parlamentarierzeiten war ihm der Kampf gegen Korruption und Filz besonders wichtig.

Der Tagesspiegel, 13. 5. 2004. [DWDS]

[…]Denn EnBW befindet sich nicht allein wegen unternehmerischer Fehlentscheidungen in Turbulenzen. Der Konzern ist politisch verfilzt. Und intern dominieren die persönlichen Interessen einiger weniger.

Die Zeit, 27. 12. 2012, Nr. 01. [DWDS] (zeit.de)

Korruption, Staatsmafia und autoritäre Bürokratie bilden einen flächendeckenden Filz.

Die Zeit, 15. 1. 2016 (online). [DWDS] (zeit.de)

Für ihn, sagt Schollbach, „riecht all das doch sehr nach schwarzem Filz“. Er findet: "Es ist ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang, dass ein bekannter CDU-Politiker seine Tagebücher durch Steuergelder finanziert bekommt.

Die Zeit, 26. 1. 2017, Nr. 05. [DWDS] (zeit.de)

Eine Reinigung der Lamellen mit speziellen Bürsten bietet sich auch an. Mitunter hat sich im Heizkörper schon ein richtiger Filz gebildet, der dann wie eine Dämmung wirkt.

Dresdner Neueste Nachrichten, 12. 10. 2018. [DWDS]

Filz und Vorteilsnahme werfen sich deren Verfechter wechselseitig vor.

Der Tagesspiegel, 6. 2. 2021. [DWDS]

Der schwarze Filz

Schamlose Maskendeals, dubiose Auslandskontakte, horrende Nebenverdienste von Abgeordneten: Im Superwahljahr produzieren CDU und CSU ihren größten Skandal seit 20 Jahren.

Der Spiegel (online), 12. 3. 2021. (spiegel.de)