Vorschauansicht

Wortgeschichte zu

konventionell

Themenfeld Politik & Gesellschaft

Kurz gefasst

Das Adjektiv konventionell wird in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus dem Französischen ins Deutsche entlehnt. Seit seiner Entlehnung kann es in der gesellschaftlichen Bedeutungslinie im Sinne von auf kultureller Übereinkunft beruhend sowie im Sinne von althergebracht, üblich gebraucht werden. Daneben kann konventionell zunächst auch noch vertragsgemäß, gesetzeskonform bedeuten. In 1980er Jahren erfährt das Wort eine semantische Erweiterung und kann nun auch im Sinne von herkömmlich in der Herstellung, Verfahrensweise oder ähnlichem, nicht nachhaltig verwendet werden.

Navigation

Wortgeschichte #

Konventionkonventionell. Zur Entstehung zweier Wörter des Themenfeldes Gesellschaft um 1800 #

Konventionell ist im Deutschen seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bezeugt (1769). Sprachgeschichtlich lassen sich sowohl das ältere Substantiv Konvention als auch das Adjektiv konventionell bis zum lateinischen conventio Übereinkunft, Abrede, Vertrag, Volksversammlung bzw. convenire zusammenkommen, übereinstimmen, geeignet, angenehm sein zurückverfolgen (vgl. Pfeifer unter konventionellDWDS sowie Pfeifer unter konvenierenDWDS).

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wird zunächst das Substantiv Konvention mit der Bedeutung Übereinkunft, (völkerrechtlicher) Vertrag aus dem lateinischen conventio ins Deutsche entlehnt. In älteren Bezeugungen bleibt Konvention auf die rechtliche Bedeutung beschränkt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfährt das Wort wohl vor dem Hintergrund des (mittel-)französischen convention Übereinkunft, Vertrag, auch lesbar als was willkürlich, durch stillschweigende Übereinkunft festgelegt ist, eine Erweiterung seines semantischen Spektrums und kann nun im Deutschen auch im Sinne von Übereinkunft, gesellschaftlicher Brauch verwendet werden (vgl. Pfeifer unter KonventionDWDS). Konvention wird mithin zu einem Wort des Themenfeldes Gesellschaft. In etwa zeitgleich entsteht das Adjektiv konventionell, das seinerseits aus dem gleichbedeutenden französischen conventionnel entlehnt wird; conventionnel geht wiederum auf das Lateinische zurück. Konventionell wird auch im Deutschen zunächst mit c geschrieben, erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dominiert die Schreibung mit k.

Die gesellschaftliche Bedeutungslinie von konventionell #

Seit den frühesten Bezeugungen kann das Adjektiv konventionell die Bedeutungen auf Übereinkunft beruhend sowie althergebracht, üblich annehmen. Die beiden Bedeutungen lassen sich auf der Ebene der kulturellen Semantik auf unterschiedliche Grundunterscheidungen zurückführen. So liegt der Bedeutung auf Übereinkunft beruhend die diskurssemantische Grundfigur1) Natur/natürlich versus Kultur/kulturell bzw. nicht-natürlich im weitesten Sinn zugrunde (1791b, 1812, 1923). Mit der Bedeutung auf Übereinkunft beruhend kann konventionell zum einen im weiteren Sinne von auf impliziter kultureller Übereinkunft im Allgemeinen beruhend verwendet werden – dies zeigt sich vor allem in Verwendungen des Adjektivs in Bezug auf Sprache (1796, 1847, 1923). Dahinter steht die ideengeschichtlich bis in die Antike zurückzuverfolgende Vorstellung, dass Sprache Konvention zum Ursprung habe (vgl. hierzu im Detail den Eintrag Konvention in HWPh 4, 1073–1076). Daneben kann das Adjektiv zum anderen auch im engeren Sinn in Bezug auf Verhaltensweisen in der Gesellschaft verwendet werden, hier im Sinne von den gesellschaftlichen Normen, Sitten entsprechend (1858). Von dieser auf die Opposition Natur versus Kultur zurückzuführende Bedeutung unterschieden werden kann die zweite Bedeutung althergebracht, üblich (1853, 1918). Ihr liegt eine andere diskurssemantische Grundunterscheidung zugrunde, genauer diejenige von tradiert versus innovativ, originell (1787).

Im Einzelnen ist die Zuordnung im Übrigen nicht immer eindeutig, die Grenzen sind durchaus fließend. Gerade am Übergang zwischen der Bedeutung den gesellschaftlichen Normen, Sitten im Speziellen entsprechend und althergebracht, üblich kann konventionell auch im Sinne von förmlich, steif verwendet werden – vor allem dann, wenn das Wort negativ besetzt verwendet wird (1826a, 1855, 1945): Das den gesellschaftlichen Normen bzw. Sitten gemäße Verhalten kann – muss aber nicht – zugleich als traditionell und vor diesem Hintergrund dann als förmlich, steif, als im Laufe der Zeit erstarrt und überholt wahrgenommen werden.

Konventionell im Ökologiediskurs. Semantische Erweiterung um 1980 #

Um 1980 entstehen neue Wortverbindungen mit dem Adjektiv konventionell, so insbesondere konventionelle Landwirtschaft (1988a), aber auch konventionelle Tierhaltung (2011) oder konventionelle Produkte (1991) bzw. konventionelle Artikel (2002b). Auf den ersten Blick wird das Wort hier im Sinne von althergebracht verwendet – einer Bedeutung, die es seit seiner Entlehnung um 1800 annehmen kann. Bei genauerer Betrachtung der Belege zeigt sich jedoch, dass sich die die Bedeutung strukturierende diskurssemantische Grundunterscheidung verändert hat: Die Bedeutung von konventionell konstituiert sich nicht mehr über den Gegensatz tradiert versus originell, innovativ, sondern nunmehr über den Gegensatz etabliert, nicht umweltverträglich und zukunftsfähig versus ökologisch, zukunftsfähig (1984a, 1998). Insofern sich also die die Bedeutung tiefensemantisch strukturierende Grundunterscheidung hier grundlegend geändert hat, hat konventionell eine Bedeutungserweiterung erfahren, die um 1980 anzusetzen ist.

Die semantische Transformation von konventionell lässt sich anhand einer festen Wortverbindung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachvollziehen, genauer an der Kollokation konventionelle Energien. Sie entsteht in der Mitte des 20. Jahrhunderts: Seither kann konventionell auch im Gegensatz zu atomar gebraucht werden. Zunächst findet konventionell mit dieser Bedeutung insbesondere in Bezug auf Waffen Verwendung, hier wohlgemerkt noch im Anschluss an die ältere, auf der diskurssemantischen Opposition tradiert versus innovativ, neu basierende Bedeutung althergebracht, üblich (1947, 1950): Als konventionelle Waffen gelten Mitte des 20. Jahrhunderts zunächst alle Nicht-Atomwaffen, also alle Waffenformen, die auf älteren Technologien beruhen.2) Vermutlich ausgehend von dieser Verwendung entsteht dann die Wortverbindung konventionelle Energien (1955, 1960), die auf all jene Formen der Energiegewinnung zielt, die nicht auf Atomkraft beruhen. In den 1980er Jahren durchläuft dann parallel zur Bedeutungsveränderung der Wortverbindung alternative EnergienWGd auch die Kollokation konventionelle Energien eine semantische Transformation: Sie bezieht nun Atomkraft gerade mit ein (1988b, 2002a) und wird im Gegensatz zu nachhaltig (2010), alternativWGd und regenerativ (1987) sowie ökologisch (1999) gedacht. Damit aber hat sich die die Bedeutung von konventionell in dieser Verwendung tiefensemantisch strukturierende Grundunterscheidung von tradiert versus innovativ, originell hin zu etabliert, nicht umweltverträglich und zukunftsfähig versus ökologisch, zukunftsfähig verschoben, nimmt konventionell in der Kollokation konventionelle Energien nunmehr die neue Bedeutung herkömmlich im Sinne von nicht erneuerbar und weniger nachhaltig an.

Mehr erfahren

Die Bedeutungserweiterung von konventionell kann damit ihrerseits in den größeren Kontext der These von der Schwellenzeit 20. Jahrhundert eingeordnet werden, wie sie nicht nur in der Soziologie, sondern auch in den Geschichtswissenschaften seit einigen Jahren vertreten wird (vgl. etwa Bösch 2019, Kuchenbuch 2012 oder Doering-Manteuffel/Raphael 2010), und die sich ihrerseits nicht zuletzt in einem – so die begriffshistorischen Beobachtungen der vergangenen Jahre (Geulen 2010) – neuerlichen Umbau der politisch-sozialen Sprache ausdrücke. Diese Beobachtungen wiederum decken sich mit jenen in der Linguistik: Auch aus sprachhistorischer Perspektive wird schon seit geraumer Zeit ein sprachlicher Umbruch in den 1970er und 1980er Jahren beobachtet, der sich beispielsweise in der Ausbildung neuer Kollektivsingulare3) wie die Umwelt, oder auch in der Ausbildung der gänzlich neuen Bedeutung für alternativWGd4) und deren rasanter Verbreitung ausdrückt.

Das Konventionelle. Substantivierung #

Das Substantiv Konvention ist im Deutschen, wie dargelegt, seit dem 16. Jahrhundert bezeugt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfährt es in etwa zeitgleich zur Entlehnung des Adjektivs konventionell eine Erweiterung seines semantischen Spektrums und kann nun auch die das gesellschaftliche Verhalten betreffende Sitte, Überlieferung bedeuten. Es fällt dann auf, dass unmittelbar nach der Entlehnung des Adjektivs konventionell Substantivierungen in der Form das Conventionelle bezeugt sind (1794, 1826b). Die Substantivierung – die immer mit bestimmtem Artikel steht und üblicherweise in Wörterbüchern nicht als eigenes Wort lemmatisiert wird – kann im Sinne von das den gesellschaftlichen Normen Entsprechende (1905), aber auch im Sinne von das Gewöhnliche, nicht Innovative (1953) verwendet werden. Insofern zeigen sich hier semantische Überschneidungen zu Konvention, ohne dass Konvention und das Konventionelle in einem rein synonymen Verhältnis zueinander aufgehen.

Weitere Bedeutungen von konventionell #

Konventionell wird in den einschlägigen Sprachwörterbüchern und Nachschlagewerken5) ausschließlich mit den gesellschaftlichen Bedeutungen gebucht. Tatsächlich beschränkt sich das Bedeutungsspektrum von konventionell keineswegs auf die gesellschaftliche Bedeutungslinie. Wie das Substantiv Konvention, das seit seiner Entlehnung ins Deutsche in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zunächst Übereinkunft, (völkerrechtlicher) Vertrag bedeutet, auch hat konventionell eine rechtliche Bedeutungslinie (1809) – davon zeugt nicht zuletzt die Wortverbindung conventionelle Strafe (1790, 1821). Konventionell hat hier die Bedeutung vertragsgemäß (1791a, 1898). Diese rechtliche Bedeutung ist heute nicht mehr verbreitet.

Nicht zuletzt wird konventionell auch in der Physik verwendet: Konventionelle Stromrichtung (2019) kann hier alternativ für technische Stromrichtung verwendet werden.

Anna S. Brasch

Anmerkungen #

1)Vgl. zur Diskurssemantik grundlegend die Arbeiten von Dietrich Busse, zur diskurssemantischen Grundfigur insbesondere Busse 1997.

2)Nur wenig später stehen konventionelle Waffen im Gegensatz zu ABC-Waffen, sprich Atom-, biologischen und chemischen Waffen, und damit im Gegensatz zu Massenvernichtungswaffen im Allgemeinen (1954, 1972).

3)Fritz Hermanns hat bereits 1991 aufgezeigt, dass der Wandel des Wortes und Begriffs Umwelt in den 1970er Jahren des 20. Jahrhunderts ein vergleichbares Phänomen sei wie jener von Koselleck für die Sattelzeit beschriebene Prozess der Bereicherung vieler Wörter um eine neue syntaktisch-semantische Verwendungsmöglichkeit, nämlich um die hypostasierend-singularische Verwendung. Vgl. Hermanns 1991, 238.

4)Zum Wort alternativ vgl. daneben auch die Ausführungen von Ulrike Haß (Haß 1989, 395–557).

5)Adressiert werden hier Pfeifer unter konventionellDWDS, 10Paul, 558, 1DFWB 1, 390, online, DWDS unter konventionellDWDS, WDG 3, 2186, onlineDWDS und Duden online unter konventionell.

Literatur #

Bösch 2019 Bösch, Frank: Zeitenwende 1979. Als die Welt von heute begann. München 2019.

Busse 1997 Busse, Dietrich: Das Eigene und das Fremde. Annotationen zu Funktion und Wirkung einer diskurssemantischen Grundfigur. In: Matthias Jung/Martin Wengeler/Karin Böke (Hrsg.): Die Sprache des Migrationsdiskurses. Das Reden über „Ausländer“ in Medien, Politik und Alltag. Opladen 1997, S. 17–35.

1DFWB Schulz, Hans/Otto Basler: Deutsches Fremdwörterbuch. Weitergeführt im Institut für deutsche Sprache unter der Leitung von Alan Kirkness. Bd. 1–7. Straßburg bzw. Berlin 1913–1988. (owid.de)

Doering-Manteuffel/Raphael 2010 Doering-Manteuffel, Anselm/Lutz Raphael: Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970. 2., erg. Aufl., Göttingen 2010.

Duden online Duden online. Hrsg. von der Dudenredaktion. Mannheim 2011 ff. (duden.de)

DWDS DWDS. Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute. (dwds.de)

Geulen 2010 Geulen, Christian: Plädoyer für eine Geschichte der Grundbegriffe des 20. Jahrhunderts. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 7/1 (2010), Online-Ausgabe [Druckausgabe: S. 79–97]. (zeithistorische-forschungen.de)

Haß 1989 Haß, Ulrike: Umwelt. In: Gerhard Strauß/Ulrike Haß/Gisela Harras (Hrsg.): Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist. Ein Lexikon zum öffentlichen Sprachgebrauch. Berlin/New York 1989, S. 395–557.

Hermanns 1991 Hermanns, Fritz: „Umwelt“: Zur historischen Semantik eines deontischen Wortes. In: Dietrich Busse (Hrsg.): Diachrone Semantik und Pragmatik. Untersuchungen zur Erklärung und Beschreibung des Sprachwandels. Tübingen 1991, S. 235–257.

HWPh Historisches Wörterbuch der Philosophie. Herausgegeben von Joachim Ritter, Karlfried Gründer, Gottfried Gabriel. Völlig neubearb. Ausg. des „Wörterbuchs der philosophischen Begriffe“ von Rudolf Eisler. Bd. 1–13. Basel 1971–2007.

Kuchenbuch 2012 Kuchenbuch, David: „Eine Welt“. Globales Interdependenzbewusstsein und die Moralisierung des Alltags in den 1970er und 1980er Jahren. In: Geschichte und Gesellschaft 38 (2012), S. 158–184.

10Paul Paul, Hermann: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10., überarb. u. erw. Aufl. von Helmut Henne, Heidrun Kämper und Georg Objartel. Tübingen 2002.

Pfeifer Pfeifer, Wolfgang u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. (dwds.de)

Schrader/Kimminich 1976 Schrader, Wolfgang H./Otto Kimminich: Art. „Konvention“. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Herausgegeben von Joachim Ritter, Karlfried Gründer, Gottfried Gabriel. Völlig neubearb. Ausg. des „Wörterbuchs der philosophischen Begriffe“ von Rudolf Eisler. 13 Bde., Basel 1971–2007. Bd. 4. Basel/Stuttgart 1976, Sp. 1071–1078.

WDG Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Institut für deutsche Sprache und Literatur. Herausgegeben von Ruth Klappenbach und Wolfgang Steinitz. Bd. 1–6. Berlin 1964–1977.

Belegauswahl #

Bey dem Pantomimen waren die Bewegungen der Haͤnde nicht blos natuͤrliche Zeichen; viele derſelben hatten eine conventionelle Bedeutung, und dieſer mußte ſich der Schauſpieler gaͤnzlich enthalten.

Lessing, Gotthold Ephraim: Hamburgische Dramaturgie. Erster Band. Hamburg/Bremen 1769, S. 26. (deutschestextarchiv.de)

In der Stellung und in dem Luxurioͤſen der Formen hat dieſe Figur viel vom Stil des Pietro da Cortona: aber das Verblaſene der Umriſſe, der Schwung von Originalitaͤt, und die Harmonie der Farben, welche uns mit der conventionellen Manier des letzten Meiſters verſoͤhnen, fehlen hier.

Ramdohr, Friedrich Wilhelm Basilius von: Über Mahlerei und Bildhauerarbeit in Rom für Liebhaber des Schönen in der Kunst. Dritter Theil. Leipzig 1787, S. 269. (deutschestextarchiv.de)

Sehr viele Proceſſe wurden alſo abgethan, ohne daß der Praͤtor damit ſich beſchaͤftigte, und da er keine Sporteln dabey verlor oder gewann, ſo beguͤnſtigte er die Compromiſſe, die Unterwerfung unter einen Schiedsrichter mit einer conventionellen Strafe (compromiſſa pecunia) auch dadurch, indem er den, der das arbitrium uͤbernommen hatte, zwang einen Ausſpruch zu thun (de receptis).

Hugo, Gustav: Lehrbuch der Rechtsgeschichte bis auf unsre Zeiten. Berlin 1790, S. 77. (deutschestextarchiv.de)

Ferner werden die Privilegien in conventionelle und grazioͤſe eingetheilt, je nachdem dieſelben entweder durch einen ordentlich verabredeten Vertrag, oder ohne einem ſolchen durch die bloſe Gnade des Regenten erworben worden ſind […].

Glück, Christian Friedrich von: Ausführliche Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Zweyter Theil. Erlangen 1791, S. 8. (deutschestextarchiv.de)

Allerdings kann ſie, bey allen Menſchen, immer mehr und mehr ausgebildet, und endlich zu einer eben ſo hohen Vollkommenheit gebracht werden, als unſere gewoͤhnliche Wortſprache, aber da hoͤrt ſie auf eine bloſſe Naturſprache zu ſeyn, ſie geht in eine konventionelle Zeichenſprache uͤber.

Kempelen, Wolfgang von: Mechanismus der menschlichen Sprache, nebst der Beschreibung seiner sprechenden Maschine. Wien 1791, S. 17. (deutschestextarchiv.de)

Unsere neuere Kunst ist eine Pflegetochter des Luxus, und das Conventionelle ist ihr höchstes Gesetz; weil unsere Künstler, anstatt den Geschmack des Publikums zu bilden, von dem Strom der heutigen Sitten, der erkünstelten Bedürfnisse, der weichlichen Bequemlichkeit, an Ketten unauflöslicher Verhältnisse fortgerissen werden, und sich nach den Launen reicher Käufer richten müssen.

Forster, Georg: Ansichten vom Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich, im April, Mai und Junius 1790. Dritter Theil. Berlin 1794, S. 7. (deutschestextarchiv.de)

So wie die Sprache nur in konventionellen Zeichen beſteht, und jedermann doch mit dem andern ſpricht, ob er gleich recht gut weiß, daß jener durch ſeine Worte vielleicht keinen Begriff ſo bekoͤmmt, wie er es wuͤnſche: eben ſo ſollte aller unſer Umgang beſchaffen ſeyn.

Tieck, Ludwig: William Lovell. Zweyter Band. Berlin/Leipzig 1796, S. 59–60. (deutschestextarchiv.de)

Seit faſt drey Jahrhunderten war es dieſem Freyſtaat in der Mitte Europas nicht nur gelungen, ſich von der Theilnahme an den großen Welthaͤn deln zuruͤckzuhalten; ſondern das conventionelle Voͤlkerrecht hatte ihm ſelbſt gewiſſermaßen eine Unverletzlichkeit zugeſtanden, die faſt an Heiligkeit grenzte.

Heeren, Arnold H. L.: Handbuch der Geschichte des Europäischen Staatensystems und seiner Kolonien, von der Entdeckung beyder Indien bis zur Errichtung des Französischen Kayserthrons. Göttingen 1809, S. 612–613. (deutschestextarchiv.de)

Diefer iſt keinesweges bloß conventionell, ſondern in ſeiner Natur begruͤndet.

Thaer, Albrecht Daniel: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Vierter Band. Berlin 1812, S. 62. (deutschestextarchiv.de)

Conventionelle Geldstrafe und Bürgschaft werden bei Verträgen der Staaten unter sich, jetzt nicht leicht vorkommen[…], und die ehemaligen Conservatoren (warrant, guarandi), angesehene Unterthanen, Schutzverwandte oder Vassallen, welche durch Zusage ihres bewaffneten Beistandes gegen ihren eigenen contrahirenden Regenten, Schutz- oder Lehnherrn, für dessen Versprechen Gewähr leisteten c), sind seit dem Ende des Mittelalters ausser Gebrauch d).

Klüber, Johann Ludwig: Europäisches Völkerrecht. Erster Band. Stuttgart 1821, S. 249–250. (deutschestextarchiv.de)

Dieſe wird, wenn ſicherlich nicht ſproͤde und ſteif, doch auf gewiſſe Weiſe conventionel ſein.

Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Bildungsbuch beim Eintritt in das gesellige Leben. Berlin 1826, S. 130. (deutschestextarchiv.de)

Sie ſollen nur den moͤglichen Enthuſiasmus nicht gerade zu Hohn ſprechen, und es der Jugend nachſehen, wenn ihr raſches Feuer, uͤber die Schranke des Conventionellen hinauslodert.

Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Bildungsbuch beim Eintritt in das gesellige Leben. Berlin 1826, S. 213. (deutschestextarchiv.de)

Der Hund hört aus dem Tone, womit ſein Herr ſeinen Namen ruft, deſſen Zorn oder freundliche Stimmung heraus; ſpricht aber der Herr ein ſtrafendes Wort mit freundlichem Tone, ſo verſteht er den Widerſpruch zwiſchen dem Wort und dem Tone nicht, denn er verſteht nicht die Sprache als ſolche, d. h. als blos conventionelle Bezeichnung; ſonſt könnte er eben auch ſprechen, leſen u. ſ. w.

Vischer, Friedrich Theodor von: Ästhetik oder Wissenschaft des Schönen. Zum Gebrauche für Vorlesungen. Zweiter Theil: Die Lehre vom Schönen in einseitiger Existenz oder vom Naturschönen und der Phantasie. Erste Abtheilung: Die Lehre vom Naturschönen. Reutlingen/Leipzig 1847, S. 110. (deutschestextarchiv.de)

So geht er auch in ſeinen Fleurs animées, wie dort von den typiſch gewordenen Vorſtellungen, hier von der urſprünglich oder traditionell oder conventionell feſt geſtellten Bedeutſamkeit der Pflanze aus, und überträgt ſie nun in die Mienen, Haltung und Bekleidung der Frauen.

Rosenkranz, Karl: Ästhetik des Häßlichen. Königsberg 1853, S. 445. (deutschestextarchiv.de)

Die Förmlichkeit der conventionellen Haltung war durchbrochen, Frau v. Milden verwandelte ſich ſichtlich.

Kürnberger, Ferdinand: Der Amerika-Müde. Amerikanisches Kulturbild. Frankfurt (Main) 1855, S. 459. (deutschestextarchiv.de)

Während die einen befriedigt in eitler Selbſtgefälligkeit bloß mit ſich und der Freundſchaft beſchäftigt ſind, durchbrechen andere gewaltſam die conventionellen Schranken der Sitte und des Lebens und in gleichem diejenigen Feſſeln, welche der klügelnde Verſtand, der Schematismus und Dogmatismus dem Dichten und Denken angelegt haben.

Falke, Jakob von: Die deutsche Trachten- und Modenwelt. Ein Beitrag zur deutschen Culturgeschichte. Zweiter Theil: Die Neuzeit. Leipzig 1858, S. 296. (deutschestextarchiv.de)

Ergänzend greifen Verträge über die Schiffahrt auf den Binnenseeen ein; ein Beispiel bieten die Bestimmungen des Züricher Friedens vom 11. November 1859 über den Gardasee.

Die Durchführung des Grundsatzes setzt besondere Vereinbarungen für die einzelnen Ströme voraus, die daher auch „konventionelle“ Ströme genannt werden.

Liszt, Franz von: Das Völkerrecht. Berlin 1898, S. 149. (deutschestextarchiv.de)

Als Zusammenleben von Menschen, die sich frei machen vom Zwang des Konventionellen, die sich die Freiheit wahren, ein Leben nach eigenem Geschmacke zu führen.

Krukenberg, Elsbeth: Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung. Tübingen 1905, S. 197. (deutschestextarchiv.de)

Nichts in diesem Drama, und am wenigsten der Schluß mit der bereits im modernen Drama konventionell gewordenen Erlösung durch das Kreuz beglaubigt sich mit zwingender Notwendigkeit.

Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 5. 3. 1918, S. 2. [DWDS]

Auch er verwirft die / Lehre, daß die Urworte der Sprache lediglich auf konventionelle Setzungen zurückgingen; auch er fordert zwischen ihnen und ihren Bedeutungen einen „natürlichen“ Zusammenhang.

Cassirer, Ernst: Philosophie der symbolischen Formen, Darmstadt 1994 [1923], S. 92. [DWDS]

Beschränken wir uns hier auf die Erwähnung der wunschtraumhübschen Veronica Lake mit ihrem kindlich-verruchten Hexen-Sex-Appeal und des gemütlich-bösen Zauberers Cecil Kellawavs; ihnen gegenüber wirkt Fredrik March, die männliche Hauptfigur, ein wenig steif und konventionell.

N. N.: „Meine Frau – die Hexe“. In: Süddeutsche Zeitung, 1995 [zuerst 1945], S. 4. [DWDS]

Laut UNO-Bulletin nahm der Rat mit[]10 gegen 0 Stimmen bei Stimmenthaltung der Sowjetunion einen amerikanischen Resolutionsantrag an, wonach eine aus Vertretern der 11 Mitgliedsstaaten des Sicherheitsrates bestehende Kommission für konventionelle Rüstung (nicht Atomwaffen) eingesetzt werden soll, die binnen drei Monaten dem Rat Empfehlungen bezüglich der Durchführung der Beschlüsse der Vollversammlung vom 14. Dezember (951 A) über die Abrüstung und die Bekanntgabe der Streitkräfte der Vereinten Nationen (951 A) unterbreiten soll.

N. N.: Sicherheitsrat. Abrüstung. Atomkommission. Generalstabskomitee. ATOMBOMBE (-ENERGIE). In: Archiv der Gegenwart, 2001 [zuerst 1947], S. 1013. [DWDS]

[«]Wer nun also[…], von den ersten notwendigen Ur-Tropen ausgehend, die freieren und kühneren bezeichnete, bis er endlich zu den gewagtesten, willkürlichsten, ja zuletzt ungeschickten, konventionellen und abgeschmackten gelangte, der hätte sich von den Hauptmomenten der orientalischen Dichtkunst eine freie Übersicht verschafft.»

Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen 1993 [1948], S. 307. [DWDS]

Die Regierung der Vereinigten Staaten übermittelte laut UP der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen (2157 A) den Vorschlag, daß die UNO ein Aufsichtskomitee bildet, das aus Delegierten der gleichen elf Staaten die im Sicherheitsrat vertreten sind zusammengesetzt ist, und die Ausführung jedes künftigen Abkommens über die Reduktion konventioneller (nicht Atom-) Waffen kontrollieren sollte.

N. N.: Außenpolitik. VEREINTE NATIONEN. Abrüstung. In: Archiv der Gegenwart, 2001 [zuerst 1950], S. 2449. [DWDS]

Bei Kostümfesten bekommen Herren, die nicht im Kostüm erscheinen, meist gegen ein sogenanntes Strafgeld eine Kopfbedeckung, die das Konventionelle ihrer Abendkleidung etwas auflockert.

Chamrath, Gustav: Lexikon des guten Tons, Wien 1954 [1953], S. 136. [DWDS]

Sobald dieses vorbereitende Stadium der Abrüstung erreicht ist, werden Verhandlungen über den Gesamtumfang der Abrüstung vorgeschlagen, die sich auf alle Waffen, konventionelle und ABC-Waffen (Atom-, biologische und chemische Waffen) erstrecken.

N. N.: Was sonst noch geschah. In: Die Zeit, 7. 10. 1954, Nr. 40. [DWDS] (zeit.de)

Auf solche kindlichen Fragen wissen die Physiker natürlich keine Antwort, Professor[]Dunworth, der über das britische Atomzentrum Harwell berichtete, sagte, daß die Elektrizitätswerksdirektoren als Verkäufer „konventioneller“ Energie sehr zufrieden seien mit ihrer neuen atomaren Kundschaft, die so viel Strom verbraucht, um ein klein wenig Atomenergie herzustellen.

N. N.: Professoren warnen die Welt. In: Die Zeit, 29. 9. 1955, Nr. 39. [DWDS] (zeit.de)

Große Atomkraftwerke erst dann, das war die vorherrschende Meinung auf dieser Tagung, wenn sie gegenüber den „konventionellen“ Elektrizitätswerkenwirtschaftlich sind, wenn also der Atomstrom nicht teurer als der herkömmliche Strom herzustellen ist.

Cjbabrowski, Sigmund: Fünf Mark für die Kernenergie. In: Die Zeit, 18. 3. 1960, Nr. 12. [DWDS] (zeit.de)

Das bezieht sich sowohl auf die Massenvernichtungswaffen als auch auf die Waffen des konventionellen Typs…

N. N.: Eröffnung der XXVII. Tagung der UN-Vollversammlung. In: Archiv der Gegenwart, 2001 [zuerst 1972], S. 17496. [DWDS]

Genauso wichtig wäre die wissenschaftliche und praktische Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus als umweltschonende und ökonomische Alternative zur konventionellen Produktion.

Mühleib, Friedhelm: Grabenkrieg ums saubere Essen. In: Die Zeit, 12. 10. 1984, Nr. 42. [DWDS] (zeit.de)

Genauso wichtig wäre die wissenschaftliche und praktische Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus als umweltschonende und ökonomische Alternative zur konventionellen Produktion.

N. N.: Grabenkrieg ums saubere Essen. In: Die Zeit, 12. 10. 1984, Nr. 42. [DWDS] (zeit.de)

Wir brauchten alle vier Elemente gleichzeitig, nämlich konventionelle Energie aus Kohle, Gas und Öl; Energie aus Kernbrennstoffen; Entwicklung alternativer und regenerativer Energie; und auf allen Gebieten sparsamster Energieverbrauch der ganzen Wirtschaft und Gesellschaft.

N. N.: Ölkrise und Kernkraft. In: Die Zeit, 8. 5. 1987, Nr. 20. [DWDS] (zeit.de)

Eine von der Bundesregierung eingesetzte Projektgruppe „Aktionsprogramm Ökologie“ hat schon 1983 „schwerwiegende ökologische Schwachstellen“ der konventionellen Landwirtschaft bemängelt.

Vorholz, Fritz: Die hilflosen Umweltsünder. In: Die Zeit, 26. 2. 1988, Nr. 09. [DWDS] (zeit.de)

Ziel der Vereinigung ist die Förderung der Energieversorgung mit unerschöpflichen Energien wie Sonne, Wind und Wasser und die Ablösung der konventionellen Energien und der Kernenergie.

N. N.: Bonner Kulisse. In: Die Zeit, 19. 8. 1988, Nr. 34. [DWDS] (zeit.de)

Der beachtliche Preisunterschied zwischen alternativen und konventionellen Produkten weckt geradezu das Profitstreben.

N. N.: Schillerndes Etikett. In: Die Zeit, 9. 8. 1991, Nr. 33. [DWDS] (zeit.de)

Statt der nachhaltigen Landbewirtschaftung wird die konventionelle Variante subventioniert.

N. N.: Grüne Jobs haben Zukunft. In: Die Zeit, 3. 9. 1998, Nr. 37. [DWDS] (zeit.de)

Ökostrom ist um ein vielfaches teurer als konventionell hergestellter.

Der Tagesspiegel, 3. 2. 1999. [DWDS]

Wissmanns Ankündigung kann nur als Kotau vor den Produzenten konventioneller Energie aus Atomkraft und Kohle verstanden werden.

Knuf, Thorsten: Finger weg vom Ökostrom-Gesetz! In: Berliner Zeitung, 24. 7. 2002. [DWDS]

Bio- Gütesiegel und fair gehandelte Produkte, mit denen man Arbeitnehmer[n] in Entwicklungsländern hilft, sollte man konventionellen Artikeln vorziehen.

N. N.: Nachhaltig shoppen: Fair-Trade-Siegel beachten. In: Der Tagesspiegel, 30. 8. 2002. [DWDS]

Wer die konventionellen Energieträger Öl, Gas, Kohle und Uran hinsichtlich Rohstoffbedarf, Emissionen, Endlagerbedarf für Kohlendioxid und radioaktive Abfälle mit den erneuerbaren Energieträgern Wind und Sonne vergleicht, kann redlicher Weise nicht bestreiten, dass erneuerbare Energien die einzigen Energieträger sind, die langfristig klima- und umweltverträglich und damit nachhaltig im strengen Sinne des Wortes sind.

N. N.: Wir brauchen eine mutige Energiepolitik. In: Die Zeit, 31. 8. 2010, Nr. 35. [DWDS] (zeit.de)

Die Globalisierung, die konventionelle Tierhaltung und der Klimawandel tragen zur Verbreitung der Zoonosen bei.

Schadwinkel, Alina: Krankheitskeime warten stets auf ein Comeback. In: Die Zeit, 22. 6. 2011, Nr. 25. [DWDS] (zeit.de)

Die konventionelle Stromrichtung ist als die Richtung der positiven Ladungen festgelegt.

Giancoli, Douglas: Physik. 4. aktualisierte Auflage. Hallbergmoos 2019, S. 863.