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Das Wort Zivilcourage – möglicherweise eine Lehnübersetzung zu französisch courage civil –kommt in den 1860er Jahren auf. Es steht zunächst im unmittelbaren Gegensatz zum Mut auf dem Schlachtfeld; dieser Gegensatz tritt indes im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend in den Hintergrund, so dass das Wort die Bedeutung ›Mut, gegenüber großen Widerständen seinen Standpunkt zu vertreten‹ annimmt. In dieser Lesart entwickelt es sich nach dem Ende der NS-Diktatur zu einem Prestigewort, mit dem eine wichtige Voraussetzung der demokratischen Gesellschaftsordnung beschreiben wird.

Deutsches Wörterbuch

exit_to_app von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

zertrennen

ahd. zi-, mhd. zertrennen; auseinander-, voneinandertrennen, zusammenhangendes durch einen eingriff oder irgend ein mittel auseinanderbringen, scheiden; ahd., mhd. prät. zitranta, zertrande begegnet als zertrannte noch bei Bodmer Noah 1, 105; partic. prät. zertrannt, woneben von anfang an gleichberechtigt zertrennet bestand: Opitz poem. 229 ndr.; Tscherning getichte (1642) 309; Fleming d. ged. 1, 261 L.; zertrannt und zertrennt Steinbach wb. (1734) 2, 839; dr- zeigen einige ahd. und mhd. belege (Graff 5, 533; Seuse d. schr. 382 B.). I. transitiv 1) gegenständliches, a) ein kleidungsstück in der naht auftrennen, dissuere: Graff; Calepinus XI ling. 439ᵃ; Frisch 2, 385ᵇ; Konr. v. Würzburg Engelh. 2809; A. a s. Clara Jud. 1, 58; vielfach; b) in der regel mit anstrengung trennen, z. b. fesseln: Spee tugendb. 50; der treuen ehe festes band wird auch im tode nicht zertrant Fleming d. ged. 1, 261 L.; Rückert w. 1, 531; thier, welche den lammel ihre peltz z. (zerreiszen) A. a s. Clara mercks Wien 45; häufig schutzwaffen spalten, zerhauen: Albrecht j. Tit. 3429; Wickram 7, 207 B.; vil schilt zerhawen, die pantzer z. volksb. Aymont c 1ᵃ; gebäude zerstören: gewinn er Paris, er wölls zertrennen H. Sachs 13, 17 K.-G.; sprengen: A. a s. Clara etwas 1, 82; c) in der folter oder marter u. ä. die glieder abtrennen: wie zerspannen und zertrennet er ist, das man alles sin gebein und sin ryppe moͤchte zelen (Christus im bilde des regenbogens) d. ew. wiszh. betb. 12ᵃ; sihe, wie der arm sanct Franciscus ... von seinen eignen rottgesellen ... gemartert, zerrissen, zerbissen, zertrent ..., zerzert, zerstuͤckt, zerketzert ... und zuschanden gemacht würt Fischart barfüsz. 409 H.; er (der henker) zertrennt ihm seine glieder mit dem foltern Ph. Bech Agricolas bergwerkb. 15; bildl. vom herzen: so tropften siedende thränen durch sein herz und zertrennten es Jean Paul Hesp. 4, 154; und dem gefühl des herzens: sie besahe Thiamidem und dann Theagenem mit zertrenntem hertzen, fiel in liebe gegen inen beiden buch d. liebe 208ᵃ; theolog. 'getheilt, gespalten': ist Christus nu zertrennet (μεμέρισται, divisus est: in stucke taylet Zürch. bib.)? 1. Kor. 1, 13; das er die gottliche person zurtrennet, welche doch widder engel noch alle creatur mügen zutrennen Luther 26, 333; 28, 51; 32, 259 W.; d) meer, luft: zertrennt das meer und führt sie durch, stellt wasser hin wie mauer Mos. Mendelssohn ges. schr. 6, 242; Haller ged. 25 H.; e) für zertheilen 1 a γ: Neumark neuspross. palmb. 64; sondern: beym z. und ordnen meiner papiere Göthe IV 13, 19 W.; 2) massen, gemeinschaften, gruppen trennen, spalten, zerstreuen, zersprengen, a) die feindlichen heere zersprengen und in die flucht jagen, die feindliche schlachtordnung auflösen, auch das eigene heer auflösen und entlassen: gott hat meine feinde durch meine hand zutrennet 1. chron. 15, 11; gemelte partey reuter sey im Spessert von etlichen bauren zertrennt ... worden Grimmelshausen Simplic. 64 ndr.; Micrälius altes Pommerland 3, 360; v. Chemnitz schwed. krieg 2, 205; Kramer teutsch-it. 2, 1131ᶜ; do zertrennet (löste auf) er das her und zoch gen Regenspurg (Nürnb.) chron. d. st. 3, 85; schlachtordnung: wo man die ordnung zurtrennet und einen einbruch thut, so ists um den gantzen hauffen geschehen Agricola sprw. (1534) H 4ᵇ; v. Fleming sold. 192; ein volk zertheilen, zerreiszen: ein schon zertrenntes volk hebt wieder sich empor J. El. Schlegel w. 1, 337; eine herde zerstreuen: viel schaafe koͤnnen durch einen eintzigen wolf zertrennet, zerstreuet und gar umbgebracht werden Lehmann flor. (1662) 3, 168; b) eine friedliche vereinigung von menschen wie eine gesellschaft, eine versammlung trennen, auflösen: Spreng Ilias 2, 27ᵇ; auf diese art ward die gesellschaft plötzlich zertrennt Nicolai Seb. Nothank. 2, 187; ebenso einen bund, ein bündnis auflösen: Tschudi chron. helv. 2, 463; und ab der bundt zutrant wörde (1452) lehnsurk. Schles. 1, 427; die freundschaft auflösen: Sir. 22, 25; die ehe scheiden: Zwingli d. schr. 1, 41; (die wollust der höflinge) hatte braut und bräutigam zertrennt Schiller 3, 402 G.; c) woraus sich der sondersinn spalten, entzweien, uneins machen entfaltet: (aufruhr) zertrent das volck Luther 25, 453 W.; herre, verschlinge und zurtrenne ihre zungen (1527 psalm 55, 10, später: mache ... uneins) 24, 235 W.; die welt, so in unzählige irrthum zurtrennet 46, 289 Erl.; d) mit von verbunden: zutrennen die hertzen voneinander 23, 426 W.; wie d sünd von gott tuͦt zertrennen N. Manuel klagred. d. arm. götzen 506; e) güter theilen: wann ein lehen in erbfällen zertrennt würdt (1552) H. Fischer 6, 1155 (s. d.); s. zertheilen 1 a δ; 3) unkörperliche und abstracte objecte: a) ain warhait, die von ainander nit zertrennt wirt Berth. v. Chiemsee 42 R.; die (haben) ... die einikeit der bruͤder zertrent C. Hedio chron. germ. E 6ᵇ; rathschlag: Ayrer dram. 1, 375 K.; leid: H. Sachs 14, 19 K.-G.; Mathesius leichenred. 101 L.; b) streit, krieg beenden: Carl von Gent den Schmalkallenkrieg zertrennt Nas antipap. 4, 187ᵇ; den krieg z. Frisius 261ᵃ; tyrannei: H. Sachs 13, 195 G.; c) handlungen, händel, vorgänge abbrechen: nachdem er ... die belägerung zertrent Xylander Polyb. 7; weyl sie sich ... nicht vergleychen kundten, ist die friedenshandlung zertrennet worden Stumpf Schweizerchron. 43ᵇ; einen kauf z. von dem kauf abstehn: v. Hohberg georg. 3, 34ᵃ; d) den gesang unterbrechen: damit man einen an einander hangenden gesang durch unzeitiges athemholen nicht zertrenne Quantz anweis. d. flöte zu spiel. 114; ein unfestes verbcompositum trennen: Lenz ges. schr. 2, 239 T.; zergliedern: dissolvieren aufloͤsen, eroͤrtern, z., z. e. eine streitfrage Wächtler 151; II. reflexiv (wie I gegliedert); 1 c) ich bin ausgeschütt wie wasser, alle meine gebeine haben sich zurtrennet ps. 22, 15; 2 a) ein heer: H. Sachs 2, 390 K.; Schiller 6, 125 G.; wolken: Ayrer dram. 1, 222 K.; b) hiermit ... zertrennte sich die versammlung Lohenstein Arm. 2, 1261ᵃ; dise fründtschaft ... hat sich zertrennt Stumpf conc. zu Constanz 15ᵇ; c) gleichwie alle welt ... sich zertrennet in unzählige abgötterei Luther 14, 30 Erl.; mit abtheilung der guͤter z. sich die gemuͤther Pistorius thes. paröm. 404; s. zertheilen 2 b δ; III. das adj. partic. prät., 1) getrennt, geschieden: die nebel (bestehen) aus gleichen, aber bereits zertrenneten und in kleine troͤpflein zergangenen ... duͤnsten allg. haush.-lex. 3, 758; Göthe 41, 2, 382 W.; 2) zerstreut: o herr Jesu Christe, ... versammele deine weiten zertrennten schaaf durch dein stim Dürer tageb. 82; 3) verschieden: mit ... vorziehung der farben (der pferde) sind die meynungen ... abgesondert und zertrennet v. Hohberg georg. 2, 127; J. G. Schmidt rockenphilos. 2, 69; 4) gespalten, zwiespältig, uneins: ein jedes reich nimpt bald ein endt, das in sich selber ist zertrent Scheit frölich heimfart B 2ᵇ; Rätel Curäi chron. 20; — lex.: H. Fischer 6, 1155; Stieler 2324; Frisch 2, 385ᵇ; Adelung² 4, 1693; Campe 5, 853ᵇ; andere zss.: ab-, auf-, durch-. —

Fremdwörter

exit_to_app aus: Deutsches Fremdwörterbuch

Jubilar

M. erst im 19. Jahrh. aus mlat. jubilarius eingedeutscht z. B. Gaudy 1839 Jubiläum (VI 207).

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