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Marginalität

Mit Marginalität ›gesellschaftliche Randexistenz; Randständigkeit‹, marginalisieren ›jemanden/etwas an den Rand, in die Bedeutungslosigkeit drängen; in die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit drängen‹ sowie Marginalisierung ›Prozess oder Ergebnis des Abschiebens in die Randständigkeit‹ sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts drei neue Wörter belegt, die auf marginal ›randständig, bedeutungslos‹ zurückgehen. Für das Aufkommen und die Verbreitung der Ausdrücke haben vermutlich Entlehnungsprozesse und (internationale) fachsprachliche Verwendungen eine Rolle gespielt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhält zudem das seit dem 16. Jahrhundert in der Lesart ›Randnotiz‹ belegte Substantiv Marginalie bzw. ursprünglich Marginal die Bedeutung ›irrelevante Kleinigkeit‹.

Deutsches Wörterbuch

exit_to_app von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

verbleichen

pallere, ahd. farblîchan Graff 3, 244, mhd. verblîchen. zurückgehend auf altes starkes blîchan, das nur in zusammensetzungen noch nachweisbar ist, daneben adj. bleich und schwaches bleichen mit zusammensetzungen. über die bedeutung s. th. 2, 97; bleich mag ursprünglich weisz bedeuten, verglichen mit dunklen farben entsteht die bedeutung hell, glänzend, verglichen mit leuchtenden die bedeutung farblos, fahl. in betreff der erstern ist an urverwandtes φλέγω, fulgeo, dann an altn. blikja, mhd. blîchen, glänzen, ags. blâc, alts. blêk, in betreff der letztern an ähnlichen bedeutungsübergang bei blasz zu erinnern (s. Weigand wb.² 204 und blässe th. 2, 71). 1) weisz, farblos werden, sein: mhd. daʒ viur in ûʒ den helmen bran, daʒ sich die este enzunden, daʒ man den walt verblîchen sach, der rouch dranc durch die boume, sam nebel des man jach. Ecke 166, 11 (heldenbuch 5, 238ᵇ). a) nhd. von wirklichen dingen: der rücken blaugruͤn, welches gruͤn mit dem tod verblicht. Forer fischbuch 3ᵃ; da lügen gehn und da man blut, unschuldig viel vergieszen thut, do trientisch concilium schweigt und lobt die sünd zu Rom, vor welchen möcht die sonn vorbleich(en) und Loth uffs neu aus Sodom weich(en). Wackernagel kirchenl. 3, 43ᵇ; ihm wird der hauffe weichen, als wie das schöne volck der sterne musz verbleichen, wann etwan Cynthia das gantze liecht bekömpt und einen vollen glantz von ihrem bruder nimpt, der gegenüber steht. Opitz 2, 275; im bilde: überhaupt ist eine französische (übersetzung) des Faust nur eine graue, kalte nebensonne der Götheschen sonne im löwen. zuweilen gibt sie statt der verblichnen übersetzung eine ganz neue rede. J. Paul 44, 76; von blumen, verwelken: weil sie (die rosen) hatten wollen gleichen und der Phyllis stehlen ab ihrer farbe schönste gab, musten bald sie drauff verbleichen. Logau 1, 8 (11, 24 Eitner); ihr darf ich keinen (blumenkranz) reichen, sie ist zu hoch und schön, sie müssen alle verbleichen. Eichendorff taugenichts (1871) 14; die saaten verbleichen, werden gelb und gehen ein bei zu groszer anhäufung von sauerstoff oder nässe, oder beim erfrieren und bei dürre. Weber termin.-öcon. lex. 2, 614; im bilde: der feine griechische geschmack .. musz unter dem römischen himmel halb verbleichen und seinen duft verhauchen. wahrheit und schönheit halb verwelkt trauret wie eine sinkende blume. Herder 2, 155; mit schönheit, welcher stahl und grimmes feuer weichet, doch die nicht minder bald zerrinnet und verbleichet, wie eine blume thut. Opitz 1, 58; part. praet. als adjectiv: verblichne oder vergangne farb, color obsoletus. Maaler 415ᵃ; verblichene schrift, literae jam paene exolescentes. Steinbach 1, 134; wundersam wird einem zu sinn beim ersten anblick dieser uralterthümlichen häuser mit ihren verblichenen freskos. Heine 2, 64; sie lebten in ihren mit verblichenen lorbeerkränzen und bildern berühmter collegen tapezierten zimmerchen .. ihre stillen tage hin. Heyse kinder d. welt⁴ 1, 4; schleier leicht geknickt, verblichne bänder, abgeklungner liebe trauerpfänder. Göthe 48, 16. b) von menschen und körpertheilen. α) erblassen: mhd. diu ougen gar durchzieret und nach wunsch gefisieret, die müssen nû verblîchen. Lassberg lieders. 2, 325; nhd. herczekind, dine wangen sint dir so gar vorblichen, dine macht und dine kraft ist dir so gar entwichen. Alsf. passionssp. 6077 Grein; die wangen müssen nun euch nachmals nicht verbleichen, sie sollen lilien und roten rosen gleichen. Opitz 1, 71; ihm wird ein glasz gereichet, nicht zwar darvor ein mensch verschwarzet und verbleichet, ein helles cristallin, darausz ihm, wenn er trinckt, desz Bachus schöner glantz bisz in die augen blinckt. 1, 62; sie zittern, gräfin, — sie verbleichen — gott! Schiller hist.-krit. ausg. 12, 395; verbleichen als folge von furcht: printz Moritz, dein nam, ruhm und ehr, darab stehts deine feind verblaichen. Weckherlin 362; etwas versteinertes, verwildertes hatten seine züge, der blick der verblichenen grauen augen glänzte wunderlich, gleich dem erz, das man im gestein versprengt findet. Heyse Mer. nov. 5, 149; da kam herzu geschlichen ein gar erschrecklich mann, die farb war ihm verblichen, kein kleider hat er an. wunderhorn 1, 67. 2) verbleichen ist oft für den vorgang gesetzt, bei dem es nur begleitender umstand ist. so ist verbleichen als zeichen der sinkenden kräfte. a) ohnmächtig werden: wie er nun bewillkommt worden und ob man ihn auch gleich zu seiner verblichenen liebsten gelassen, weisz ich nicht. Simpl. 3, 352, 4 Kurz. b) sterben, wie verblassen, meist wird zur verdeutlichung noch todes beigefügt: ihr sohn Marcellus, der im sechzehenden jahre todes verblichen. Opitz 1, vorr. 3; aber ein altes durchtriebenes weib .. sagt ihm: die königin sei leider todes verblichen. pers. baumgarten 3, 24 anm.; sogar in den kerker gebracht, wo er, über siebenzig jahre alt, eines zweideutigen todes verblichen. Göthe 25, 257; ohne todes: und bist du auch verblichen, mein mehr als halbes ich, bist du mir auch entwichen. Opitz 2, 136; die, so geburt und ankunfft bindt, die fast zugleich verblichen sind. S. Dach 881 Öst.; schon verblichen, schon entwichen, schon ist unser Daphnis hin. Spee 221, 163 Balke; deine brüder frasz das schwert, sieben kinder Deutschlands werth! deine mutter härmte sich stumm und harrend und verblich. Stolberg lied eines schwäb. ritters; part. praet. adjectivisch: der verblichene leib, corpus mortuum. Steinbach (1734) 1, 131; die stelle des verblichenen prinzen von Siam. Banise 110; die uns über die tugend längst verblichener vestalinnen .. das verständnisz öffnen? Thümmel 4, 211. hierzu das substantiv der verblichene, der todte: nun sollte Herder an der stelle des zu früh verblichenen alle diejenigen hoffnungen erfüllen. Göthe 26, 112; Charon ists, er saust einher, entführet die verblichnen. 44, 78; im bilde: nicht meint ich, dasz vor uns das theure erbe verblichner jugend ihre freundschaft sterbe. Lenau (1834) 60. 3) verbleichen von abstracten dingen, in der erinnerung sich verwischen, in vergessenheit gerathen. in alter zeit häufig, heute nur noch dichterisch: das sie .. wissen, wie sie rechte güldene werke thun solten, welche bisher verblichen und verachtet. Luther 4, 397ᵇ; .. ein gros sonderlich geheimnis, welches auch zur aposteln zeit wenigen bekandt und nun unter dem bapstthumb schier wieder verblichen ist. 5, 128ᵃ; zu unsern zeiten ist der brauch der purpur gantz verblichen. Forer fischb. 144ᵇ; das herz des jünglings war durch die erzählung zerrissen, sein geist verdunkelt, die schönen träume verblichen. Klinger 4, 44; verblichen und verweht sind längst die träume, verweht ist gar mein liebster traum. H. Heine 15, 27; partic. praeter. adjectivisch gebraucht: weil düfte .. seltner kommen und also leichter und heftiger die verblichene empfindung erneuern. J. Paul 21, 31; der kummerwinter hat um die augenlieder der Beata und um ihren mund die unaussprechlich holden buchstaben ihres verblichnen schmerzes gezogen. 3, 71.

Fremdwörter

exit_to_app aus: Deutsches Fremdwörterbuch

Pudenda

Mz. == lat. pudenda (Gerundivum von vorklass. pudere ‘sich schämen’) ‘Schamteile; Blöße’, im Deutschen bezeugt seit den Glossaren des 15./16. Jahrh. und übersetzt mit schamheit, schemelheide van mannen vel frauwen (Diefenbach, Gloss. Melber 1481 Voc.). Das an sich wenig bezeugte Fremdwort tritt[...]

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